Über (meinen) Lungenkrebs

Ich habe einen metastasierten Lungenkrebs, unheilbar sagen die Ärzte.
Ein nicht- kleinzelliges Bronchialkarzinom, ein sog. Adenokarzinom. Dieses Karzinom ist weniger eng mit dem Nikotinkonsum assoziiert, es tritt bei Raucher*innen und Nichtraucher*innen auf.
Meine Mutation nennt sich EGFR, die häufiger bei Frauen als bei Männern vorkommt und insgesamt 10–15 % der Lungenkarzinome ausmacht, insbesondere bei nicht rauchenden Frauen und Asiaten*innen.
Es gibt keine Vorsorgeuntersuchungen für Lungenkrebs, wie bei z.B. bei Brust – oder Darmkrebs. Deswegen wird dieser oft erst - wie bei mir - im metastasierten und somit im sog. Endstadium, dem Stadium IV, entdeckt. Behandelt werde ich zielgerichtet, mit einem sog. Tyrosinkinasehemmer.

Nichtraucherkrebs

Es besteht immer noch das Klischee, dass Lungenkrebs nur vom Rauchen kommt, das entspricht nicht mehr der Realität, ca. 25 % der Lungenkarzinome weltweit treten bei Nichtrauchern auf.
Eine Analyse zeigte, dass etwa jede/r achte Patientin Nie-Raucher war. Frauen, die noch nie geraucht hatten, waren häufiger betroffen als Männer. Dies gilt für alle Altersgruppen, Ethnien und Lungenkrebsarten.
Dr. Scheffler von der  Lung Cancer Group Cologne:
„Es ist wichtig, darüber aufzuklären, dass mindestens 20 Prozent der Lungenkrebspatienten nie geraucht haben. Dies sind meist besonders junge Personen, Mitte 20".
„Jeder der eine Lunge hat kann auch Lungenkrebs bekommen".

 

Woher kommt der Lungenkrebs?

Krebsauslösende Stoffe gelangen meist über die Atemluft in die Lunge. Dazu zählen Rauchen, auch Passivrauchen, sowie Radon, Feinstaub, Dieselmotorabgase, Asbest und Quarzstäube.


Umweltverschmutzung und Krebs:

Geht es um Lungenkarzinome durch Luftverschmutzung ist Feinstaub der wichtigste Risikofaktor. Damit sind kleinste Partikel gemeint, die in die Lunge vordringen und dort Entzündungen und Lungenkrebs auslösen können. Ein Beispiel sind Teilchen, die beim Reifenabrief auf den Straßen entstehen. Doch die Hauptquellen für Feinstaub in Deutschland sind Verbrennungsprozesse im Haushalt und in der Industrie, aber auch im Straßenverkehr.

Studien zeigen, dass Personen, die oft und über einen längeren Zeitraum Dieselabgasen ausgesetzt sind, ein höheres Lungen-, Blasen- und Brustkrebsrisiko aufweisen

Holger Schulz, ehemaliger Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, hat mehrere Studien zu den Gefahren durch Luftverschmutzung geleitet. Er forderte mit anderen Experten im Namen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Politik, Industrie und Bevölkerung zum Umdenken auf, um endlich mehr Regularien und Anreize zur Schadstoffvermeidung zu schaffen. "Wir haben es mit einem enormen Gesundheitsproblem zu tun, das praktisch jeden einzelnen Bürger betrifft und dem sich niemand entziehen kann", sagt Schulz. "Das lässt sich nicht wegdiskutieren." Die Bevölkerung in Deutschland verliere durch Luftverschmutzung jährlich 600 000 Lebensjahre, so seine Berechnung. Neben Lungenkrebs, Infarkt und Schlaganfall gebe es auch einen Zusammenhang zwischen Schadstoffen in der Luft und Leiden wie Diabetes und Demenz.

Die gesundheitsschädlichen Effekte von Luftschadstoffen sind gut untersucht und belegt

Im Vergleich dazu werde die Zahl der auf das Rauchen zurückgehenden Todesfälle – inklusive des Passivrauchens – von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf global 7,2 Millionen jährlich geschätzt, erläutern die Forscher. Ein Mensch könne sich allerdings entscheiden, nicht zu rauchen – der Luftverschmutzung aber könne er nicht ausweichen

Auch Ammoniak kann zu gesundheitsgefährdendem Feinstaub reagieren. Seit 1990 sind die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft kaum gesunken.

Laut einer aktuellen Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Krebserkrankungen, der in Zukunft zu mehr Fällen von Krebs beitragen wird, so das Ergebnis dieser  Untersuchung von Forschenden der University of California San Francisco. Diese Studie wurde in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ im November 2020 veröffentlicht. 

Die akuten Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit finden zunehmend Beachtung, aber die langfristigen Auswirkungen und Gesundheitsrisiken wie beispielsweise in Bezug auf Krebs sind nur wenig bekannt. Hier haben die Forschenden anhand einer Auswertung bisher verfügbarer Studien zu dem Thema untersucht, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Krebsrisiko hat.

Die zunehmende Belastung durch Feinstaub bei der Luftverschmutzung sei schätzungsweise für bis zu 15 Prozent der Neuerkrankungen verantwortlich.

Durch die Verringerung der Umweltverschmutzung könnten die Todesfälle durch Lungenkrebs zurückgehen. Es gibt zahlreiche klinische, verhaltensbezogene und politische Lösungen, um den Klimawandel zu verlangsamen und damit auch Krebsfälle und Todesfälle zu verhindern, betonen die Fachleute.

Durch die COVID Pandemie ist jetzt an der Zeit, diesen Ehrgeiz auf die Bewältigung der Klimakrise anzuwenden”, fügt die Studienautorin Naomi Beyeler hinzu. 

Was hat sich in der Forschung getan?

Zielgerichtete Therapien

"Die Prognose bei (nicht metastasierten) Lungenkrebs ist heute kein Todesurteil mehr. Es tut sich enorm viel bei den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Wir können Patienten, die geraucht haben, genauso helfen wie denen, die nie geraucht haben. Dafür müssen wir zusammen mit den Patientenvertretungen noch mehr Bewusstsein schaffen" (Dr. Scheffler Lung Cancer Group Cologne)

Jedoch können ohne Biomarker-Tests  Lungenkrebspatienten*innen die Gelegenheit verpassen, Therapien zu erhalten, die auf ihre Art von Lungenkrebs zugeschnitten sind.  Leider wissen viele Onkologen noch nicht von diesem „Biomarker-test". Darauf macht das „National Netzwerk für genomische Medizin“ (nGGM), die „Lungcancer Group Cologne“ und das Patientennetzwerk "Zielgenau"  aufmerksam.

Dank zielgerichteter Medikamente gibt es inzwischen eine Gruppe von Lungenkrebspatienten*innen, die schon als Langzeitüberlebende angesehen werden können – und das in einer Indikation, in der sich vor zehn Jahren nur palliativ behandeln ließ. Lungenkrebs ist in der Präzisionsmedizin die Spitze des Speers. Die Fortschritte werden immer schneller vorangetrieben, aber da Lungenkrebs häufig erst im fortgeschrittenen und metastasierten Tumorstadium diagnostiziert wird, ist die Aussicht auf Heilung meist gering.

Aber es können viele nicht heilbare Patienten in ein sehr gut kontrollierbares Stadium mit sehr guter Lebensqualität überführt werden.

Ein Problem in der Behandlung ist, dass die Krebszellen immun gegen die Medikamente werden. Schuld daran ist eine Besonderheit von Krebszellen (vergleichbar mit dem Virus COVID): Ihr Erbgut ist instabil, es verändert sich ständig - es kommen Mutationen hinzu, die neue, oftmals gefährliche Eigenschaften hervorbringen. Krebsforscher sprechen deswegen von Tumor-Evolution: Die Krebszellen passen sich mit ihren genetischen Veränderungen an die Behandlung an. Selbst wenn ein Patient ein wirksames Medikament bekommt, kann sich jederzeit eine Tumorzelle verändern, die darauf nicht mehr anspricht . Die Ärzte müssen also am besten die molekulare Entwicklung des Tumors überwachen und ihm dicht auf den Fersen bleiben. So können sie den Patienten auch belastende Therapien ersparen, die sie vielleicht gar nicht benötigen. Oder solche, die ihnen nicht mehr helfen können. 


Quellen:
University of California San Francisco: Climate Change Will Give Rise to More Cancers (veröffentlicht 04.11.2020),
UC San Francisco

Robert A Hiatt, Naomi Beyeler: Cancer and climate change, in The Lancet Oncology (veröffentlicht Volume 21, ISSUE 11, e519-e527, 01.11.2020), The Lancet Oncology

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/risikofaktoren.php
https://www.zeit.de/2017/24/lungenkrebs-tumor-bluttest-wachstum-tumor-ueberwachung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/feinstaub-stickoxid-grenzwerte-1.4299418
https://daskwort.de/starke-stimmen/podcasts/jeder-der-eine-lunge-hat-kann-auch-lungenkrebs-bekommen
(
https://daskwort.de/starke-stimmen/interviews/du-bist-doch-selbst-schuld-vorurteile-bei-lungenkrebs/)